Sprachlos! Dieses Wort beschreibt die Gefühle vieler Tennisfans, die am späten Samstagabend dem historischen Finale der US Open 2021 zwischen Emma Raducanu und Leylah Fernandez beiwohnten. Und noch sprachloser machten uns die Worte, die die erst 18-jährige Siegerin im Anschluss an ihren Grand-Slam-Titel im Rahmen der Siegerehrung fand.
Noch nie zuvor hatte sie ein Turnier auf der Tour gewonnen, noch nie zuvor eine Rede vor tausenden Menschen auf Arthur Ashe und einem Millionenpublikum im TV gehalten. Doch Raducanu sprach wie ein erfahrener Champion, nachdem sie gemeinsam mit den Fans in der Arena „Sweet Caroline“ von Neil Diamond gesungen hatte. Gänsehaut pur! Cool und sympathisch zugleich bedankte sie sich danach bei ihrer Gegnerin, den Sponsoren und den Fans: „Danke an alle hier in New York, die mir das Gefühl gegeben haben, zu Hause zu sein – von meinem ersten Qualifikationsmatch bis ins Finale. Ich liebe es, vor euch zu spielen.“
Wie erwachsen keine eine 18-Jährige eigentlich sein, die sich nur wenige Minuten zuvor ein Major gesichert hat – und zwar als erste Qualifikantin der Geschichte? Die in Kanada geborenen Britin mit rumänischen und chinesischen Wurzeln gewann auf ihrem Weg zum Titel in New York sage und schreibe zehn Matches ohne Satzverlust. Im Finale triumphierte sie mit 6:4, 6:3 gegen die nur ein Jahr ältere Fernandez, die ihrerseits mit Naomi Osaka und Angelique Kerber zwei ehemalige US-Open-Champions aus dem Turnier genommen hatte.
Nach ihrem großen Triumph: Raducanu spricht über die Zukunft des Damentennis
Als wäre es für sie das Normalste der Welt, philosophierte die junge Siegerin in dem Moment ihres größten Triumphes über die Zukunft des Damentennis. Sie hoffe, dass die nächste Generation in die Fußspuren der großen Legenden treten könne. Raducano nannte unter anderem die US-amerikanische Ex-Spielerin Billie Jean King als Beispiel, die sich das Sensations-Finale live angesehen hatte. Die Britin betonte, dass sie ihren Teil dazu beitragen möchte, ein Vorbild zu sein. Und genau diese Sätze machen sie zu einem Vorbild – ebenso wie ihre an diesem Abend geschlagene Konkurrentin, die Raducanu ausdrücklich lobte: Leylah seine eine tolle Wettkämpferin. „Ich musste richtig tief graben und fighten“, erklärte die Siegerin.
Den Turniersieg hatte Raducanu übrigens mit einem Ass unter Dach und Fach gebracht, was ihren erstaunlich reifen Auftritt abrundete. Doch ganz so abgeklärt, wie es den Anschein hatte, war sie während des Abends dann doch nicht – und das ist auch gut so. „Ich habe einfach gebetet, dass es kein Doppelfehler wird“, beschrieb der aufgehende Stern am Tennis-Firmament die Gefühlslage beim Matchball.
Bemerkenswerte Worte auch von Fernandez
In Sachen Redegewandtheit stand die Kanadierin Fernandez ihrer britischen Gegnerin in nichts nach. Auch die zweite Siegerin fand am 20. Todestag der Terror-Anschläge vom 11. September bemerkenswerte Wore: „Ich möchte gerne sagen, dass ich hoffe, wieder hier zu sein in diesem Finale. Und dann mit einer Trophäe, der richtigen. Ich hoffe, dass ich so stark und so widerstandsfähig sein kann wie New York es in den vergangenen 20 Jahren war.“
Ob Raducanu und Fernandez im Stile einer Serena Williams auch noch in 20 Jahren auf der Tour zu sehen sein werden, wissen wir nicht. Eines aber wissen wir ganz bestimmt: Dieses US-Open-Finale hat gezeigt, dass sich die neue Generation nicht nur in Lauerstellung befindet, sondern dass sie bereits ganz oben angekommen ist. Willensstark, intelligent und sympathisch.
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(Bild (c) IMAGO/ Paul Zimmer)




