Zwei Sätze lang spielte Rafael Nadal mit seinem Gegner Katz und Maus. Danach schlug die Stunde von Stefanos Tsitsipas. In einem irren Fünfsatzkrimi setzte sich am Ende tatsächlich der Grieche mit 3:6, 2:6, 7:6 (4), 6:4 und 7:5 durch. Nachdem Nadal über weite Strecken wie ein tropischer Wirbelsturm über Tsitsipas hinweggefegt war, wehrte der sich ab dem dritten Durchgang mit großer Moral und sehenswertem Tennis und steht zum zweiten Mal im Halbfinale der Australian Open.
Dabei lief es zunächst denkbar schlecht für Tsitsipas. Naturgewalt Nadal war der Nummer fünf der Setzliste zunächst in allen Belangen überlegen. Das bekannte Prinzip lautete einmal mehr: Mühle auf, Mühle zu. Der Spanier öffnete den Platz fast nach Belieben mit Treibschlägen in die Rückhand des Weltranglistensechsten, um daraufhin die Punkte mit seiner Vorhand-Longline abzuschließen.
Nadal spielt Tsitsipas in Satz eins und zwei an die Wand
Tsitsipas fehlte hingegen zumeist die Griffigkeit in den Ballwechseln. Gegen die hohe Intensität des 20-fachen Grand-Slam-Champions kam der ATP-Finals-Sieger von 2019 viel zu selten an. So hatte Nadal vergleichsweise leichtes Spiel. Im ersten Satz genügte ihm ein Break zum 5:3, um die Stoßrichtung vorzugeben.
Der Vortrag des Weltranglistenzweiten in Durchgang zwei war noch souveräner. Nadal legte sich seinen bis dahin überforderten Widersacher mit zwei weiteren Breaks zum 1:0 und 4:1 nach Art des Hauses zurecht. Tsitsipas war die Frustration im Gesicht anzusehen. Der 22-Jährige fand an diesem Abend in der Rod Laver Arena erst spät ein Mittel, um den Australian-Open-Sieger von 2009 ernsthaft in Bedrängnis zu bringen.
Körperliche Probleme waren bei Nadal nicht auszumachen. Hatte der Mallorquiner in den ersten Runden noch den maladen Rücken sichtbar beim Aufschlag geschont, servierte er gegen Tsitsipas wie aus einem Guss.
Tsitsipas beweist Nehmerqualitäten und schlägt zurück
Als der Herausforder allerdings mit dem Rücken zur Wand stand, lösten sich die Fesseln beim Hellenen. Im dritten Satz fand Tsitsipas endlich den Zugriff auf diese bis dahin äußerst einseitige Begegnung. Auch weil Nadal mithalf. Im Tiebreak unterliefem den Mallorquiner plötzlich ungewohnte Fehler.
Tsitsipas ergriff den Strohhalm und zwang den Favoriten verdientermaßen in einen vierten Satz. Der Wind hatte sich gedreht. Während Nadal seine Selbstverständlichkeit zusehends verlor, trumpfte Tsitsipas gewaltig auf. Jetzt war es der Grieche, der fast jeden Ballwechsel mit extremer Vehemenz dominierte. Satzausgleich!
Fünfsatz-Wahnsinn in Melbourne
Erinnerungen an die US Open 2015 wurden wach, als Nadal gegen Fabio Fognini zum einzigen Mal in seiner Karriere eine 2:0-Satzführung bei einem Major verspielte. Die Wiederholung dieser Geschichte blieb „Rafa“ nicht erspart. Trotz seiner am heutigen Tag enorm ausgeprägten Aufschlagstärke konnte Nadal seinen nun entfesselten Rivalen nicht mehr stoppen. Nach dem vorentscheidenden Break zum 6:5 im fünften Satz benötigte Tsitsipas allerdings drei Matchbälle, um den „Stier aus Manacor“ endgültig niederzuringen.
Im Halbfinale kommt es damit am Freitag zum Kracherduell mit Daniil Medvedev, der sich im rein russischen Viertelfinale gegen Andrey Rublev schadlos gehalten hatte.
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(Bild © imago images / Icon SMI)




