Als aktiver Tennisspieler galt er zeitweise als launisch, war bekannt für seine Wutausbrüche auf dem Platz. Auch nach seiner Karriere hielt er bis heute nie mit seiner Meinung hinterm Berg. Marcelo Rios ist eine der charismatischsten Persönlichkeiten dieses Sports. Am heutigen 2. Weihnachtsfeiertag wird der Chilene 45 Jahre alt. Anlässlich seines Ehrentages erinnern wir an die Highlights seiner Laufbahn.
Marcelo Rios fungiert nach wie vor als Sprachrohr – insbesondere in diesem Jahr sorgte der Ex-Profi immer wieder für Schlagzeilen. Mal kritisierte er im Gespräch mit der chilenischen Zeitung „La Tercera“ die ATP, weil sie seiner Meinung nach einst Andre Agassis Doping-Vergehen vertuscht habe („Ich halte die ATP für den größten Schwachsinn, den es gibt.“), mal wetterte er in dem Podcast von Alex Corretja und Javier Frana gegen das heutige Tennis: „Heutzutage schaue ich nicht mehr gerne Tennis, es ist sehr langweilig.“
Trotz Dopings: Korda behält den Australian-Open-Titel – Unmut bei Rios
Über seine Ansichten lässt sich trefflich diskutieren, mit Blick auf sein sportliches Lebenswerk gibt es jedoch keine zwei Meinungen. Rios war ein großartiger und für die Gegner unbequemer Spieler. Er hat es geschafft, sogar mit der Tatsache, nie ein Grand-Slam-Titel gewonnen zu haben, Geschichte zu schreiben. Bis heute ist der Südamerikaner der einzige Weltranglistenerste, der bei keinem Major den Pokal in die Höhe recken durfte. Dennoch führte er das ATP-Ranking insgesamt sechs Wochen lang an – erstmals ab 30. März 1998 für vier Wochen und im August desselben Jahres ein weiteres Mal für zwei Wochen. Zwischenzeitlich konnte ihn Pete Sampras vom Platz an der Sonne verdrängen.
Dass er auf das Thema „Doping im Tennis“ noch heute empfindlich reagiert, ist übrigens auch auf das Jahr 1998 zurückzuführen. Was war passiert? Rios hatte damals bei den Australian Open zum ersten und letzten Mal in seiner Karriere ein Grand-Slam-Finale erreicht. Im Endspiel unterlag er jedoch Petr Korda, der im Nachhinen wegen Dopings gesperrt wurde. Dennoch wird der Tscheche nach wie vor als Melbourne-Champion genannt – eine Entscheidung, die sein damaliger Kontrahent nie ganz verwunden hat. „In Kordas Akte steht, dass er ein Grand-Slam-Sieger ist. Obwohl man ihm nachwies, dass er gedopt hatte, behielt er seinen Titel“, wunderte sich Rios noch über zwei Jahrzehnte später.
Auch ohne Major-Erfolg konnte der Chilene einige Triumphe erringen, insgesamt stehen 18 ATP-Einzeltitel in seiner Vita. Er ging unter anderem als erster Spieler in die Historie ein, der alle drei Sandplatz-Masters-Series-Turniere (Monte Carlo, Rom, Hamburg) gewann und nach Michael Chang und Sampras als dritter Profi überhaupt, der das Sunshine-Double (Indian Wells und Miami in einem Jahr) holte.
Im Jahr 2004, nach einem wenig erfolgreichen Comeback-Versuch, musste Marcelo Rios seine Karriere aufgrund einer Rückenverletzung beenden. Leise ist es um den einzigen Weltranglistenersten ohne Grand-Slam-Titel allerdings nie geworden …
(Bild © imago images / Mary Evans)




