Iga Swiatek hat es geschafft! Die polnische Überraschungsfinalistin krönt ihren famosen Lauf in Roland Garros mit dem Titel. Sie besiegt die amtierende Australian Open-Siegerin Sofia Kenin mit 6:4, 6:1. Auf dem Weg zum Titel hat Swiatek nicht einen Satz abgegeben und ist damit seit Justine Henin in 2007 die erste Spielerin, die ohne Satzverlust zum Titel stürmt.
Das Finale zwischen den beiden jungen Frauen war mit Spannung erwartet worden. Zum einen, weil diese Finalistinnen vor dem Turnier wohl kaum jemand getippt hätte, zum anderen, weil sie den Generationswechsel auf der WTA-Tour weiter vorantreiben. So ließ sich Paris dann auch nicht lumpen und wartete für das Endspiel mit strahlendem Sonnenschein auf. Was die Zuschauer am Court Philippe-Chatrier freuen konnte, war auf dem Platz selber allerdings nicht ganz so angenehm. Durch die im Oktober schon so tief stehende Sonne bildete sich ein heftiger Licht-Schatten-Wechsel, sodass beide Spielerinnen mal im gleißenden Licht, mal im dunklen Schatten aufschlagen mussten.
Swiatek hält stand
Sollte das ein Problem für sie darstellen, dann ließ sich Iga Swiatek davon nichts anmerken. Die 19-jährige Polin legte einen Blitzstart hin und nahm Sofia Kenin nach einem sauberen Aufschlagspiel zum Auftakt direkt das erste Break ab. Dies bestätigte sie dann ebenso sicher und zeigte wie schon im gesamten Turnier ihr ausgesprochen starkes Nervenkostüm. Doch auch Kenin war nicht einfach irgendwie in dieses Finale gekommen. Die US-Amerikanerin fand nach diesem ersten Rückschlag immer besser ins Match und holte sich das Break zum 2:3-Anschluss wieder zurück. Von da an hatten sich Swiatek und Kenin endgültig warmgespielt und lieferten sich nun einen offenen Schlagabtausch mit sehr sehenswerten Ballwechseln und engen Spielen, aber auch einigen Nervositätsfehlern. Dies zeigte sich vor allem in der Endphase des ersten Satzes, wo die Polin und die US-Amerikanerin insgesamt drei weitere Breaks tauschten. Vorteil für Iga Swiatek: sie lag nach Spielstand vorne und konnte mit dem dritten Break den ersten Satz 6:4 zumachen.
Kenin verletzt
Eine gefährliche Situation für die Polin, denn wenn man sich bei Sofia Kenin einer Sache sicher sein kann: je größer der Widerstand, desto heftiger die Gegenwehr. Das bewies die Australian Open-Siegerin auch dieses Mal, als sie direkt mit einem Break in den zweiten Durchgang startete. Dies konnte Kenin allerdings nicht bestätigen und gab ihrerseits den Aufschlag ab. Im Anschluss hielt Swiatek sehr sicher zum 2:1 und musste dann erst mal warten, weil sich die US-Amerikanerin am linken Oberschenkel behandeln ließ.
Von da an war der Bann für die Polin gebrochen. Wie aus den vorherigen Runden gewohnt, rollte sie nun mit gnadenloser Dominanz durch das Match. Die US-Amerikanerin, scheinbar gehemmt durch ihre Verletzung, konnte sich nicht mehr wirklich gegen die Niederlage stemmen. Nach eine Stunde und 20 Minuten machte Swiatek mit ihrem 14. Satz in Folge das polnische Tennis-Märchen perfekt.
Swiatek schreibt Tennisgeschichte
Denn durch ihren Sieg hat sich die 19-Jährige in Polens Tennis-Geschichtsbücher eingetragen. Ist sie doch die erste Person aus Polen, die im Einzel (Mann oder Frau) nun einen Grand Slam-Titel ihr Eigen nennen kann. Swiateks großes Vorbild Agnieszka Radwanska hatte 2006 in Roland Garros „nur“ bei den Juniorinnen den Titel holen können und war 2012 im Wimbledon-Finale der Damen an Serena Williams gescheitert. Mit Weltranglistenplatz 54 ist Swiatek zudem die am niedrigsten gesetzte Spielerin, die, seit 1975 die WTA-Rankings eingeführt wurden, ein Major-Turnier für sich entscheiden konnte. Auf Platz 54 wird Swiatek nun natürlich nicht verbleiben. Ab Montag kann sie sich über ihren ersten Einzug in die Top 20 freuen und mit Rang 17 ein neues Career High einnehmen.
(Bild © imago images / Hasenkopf)




