Djokovic-Spektakel gegen Hartplatz-Angstgegner Leaderboard : 4475810 Top : 4475800

Gleich mehrfach sah es im Cincinnati-Halbfinale nicht gut aus für Novak Djokovic. Doch der Tennis-Primus zog den Kopf gekonnt aus der Schlinge – und setzte seine Wahnsinnsserie fort.

Die Vorzeichen im Duell des Weltranglisten-1. mit der Nummer 12 der Welt waren durchaus interessant. Denn Djokovic führte den direkten Vergleich zwar mit 8:3 an, doch die vergangenen drei Hartplatz-Matches konnte allesamt Roberto Bautista Agut für sich entscheiden. Und die aktuelle Form? Sehr ähnlich. Zwar spielte sich der „Djoker“ leichter ins Halbfinale, besiegte unter anderem Jan-Lennard Struff im Viertelfinale sehr souverän. Aber auch der Spanier zeigte sich in guter, besonders kämpferischer Verfassung. Dies bewiesen die Dreisatz-Erfolge gegen die beiden Russen Karen Khachanov und Daniil Medvedev.

Auch gegen den „Djoker“ zeigte sich Roberto Bautista Agut von seiner kämpferischen Seite. Beispiel gefälligst? Der erste Durchgang war eine einzige Präsentation des Willens des Spaniers. Keinen Ball gab er verloren, jeder noch so präzise Schlag des Weltranglisten-1. hatte eine Antwort von RBA parat. Die Folge: Gleich zwei Breaks zum 2:1 sowie 4:3, sodass der Weltranglisten-12. auch den eigenen Aufschlagverlust zum 2:1 verschmerzen konnte. Am Ende stand ein überraschendes 6:4 für ihn parat.

Djokovic mit Maske und Visier

Der zweite Durchgang sollte dann dramatischer werden. Zwischen den Sätzen nahm Djokovic eine Schmerztablette zu sich, ließ sich außerdem vom Physiotherapeuten am Nacken behandeln. Spektakulär aussehend, aber ganz Corona-konform mit Maske und Gesichtsvisier.

Auf dem Platz zeigte die Behandlung dann Wirkung, denn der Serbe holte sich eine 4:1-Führung. Doch Bautista Aguts Antwort war ebenso imposant, kurz darauf schaffte dieser nämlich den 4:4-Ausgleich. Es ging spektakulär weiter, beim Stand von 5:4 für den „Djoker“ musste wegen des einsetzenden Regens nämlich das Dach geschlossen werden. Der Spanier servierte also bei geschlossenem Dach gegen den Satzausgleich – und musste diesen prompt hinnehmen.

Dennoch setzte Bautista Agut zu Beginn des dritten Durchgangs mit dem Break zum 2:1 die erste Duftmarke. Der Spanier sollte doch nicht etwa die große Überraschung schaffen? Vorerst jedoch nicht, denn Djokovic schaffte vier Spielgewinne in Serie und sah beim 5:2 wie der sichere Sieger aus.

Dreieinhalb Spiele später dann aber plötzlich ein ganz anderes Bild: 5:5, 15:40 bei Aufschlag Djokovic. Der Wahnsinn ging also weiter. Bautista Agut schaffte tatsächlich das Break und servierte folglich zum Matchgewinn. Doch da war dann wieder das Mentalitätsmonster aus Serbien zur Stelle und schlug mit dem Rebreak zurück. Der Tiebreak musste die Entscheidung bringen – und wurde ausnahmsweise eine klare Angelegenheit. Mit einem 7:0 spielte sich Djokovic ins Endspiel.

Novak Djokovic setzt damit seinen beeindruckenden Lauf im Jahr 2020 fort. Nun stehen 22:0-Siege in der Bilanz. Sollte der Serbe auch den 23. Erfolg in Serie folgen lassen, könnte er einen kleinen „Fluch“ beenden. Wobei „Fluch“ natürlich mit einem starken Augenzwinkern verbunden ist. Gewinnt Djokovic nämlich in Cincinnati, hätte er bei allen (!) Masters auf der Tour nämlich gleich zweimal triumphiert. Eine nahezu unfassbare Leistung.

Der Gegner im Endspiel heißt Milos Raonic. Der Kanadier besiegte im ersten Halbfinale etwas überraschend Stefanos Tsitsipas mit 7:6, 6:3. In die Statistik-Bücher sollte Raonic aber lieber nicht schauen, denn dort steht eine eher unschöne Bilanz gegen Djokovic zu Buche: 0 zu 10.

(Bild (c) imago images / Xinhua)