Roger vs Rafa: Das beste Slam-Finale aller Zeiten? Leaderboard : 4475810 Top : 4475800

Schon die Vorzeichen versprachen ein wahrhaftig großes Match. Und nichts weniger als das lieferten Roger Federer und Rafael Nadal im Finale von Wimbledon 2008. Erst nach knapp fünf Stunden fand die epische Rasenschlacht einen Sieger. In einem Spiel, das keinen Verlierer verdient hatte.

Drittes Wimbledon-Endspiel zwischen „Fedal“ in Serie

Am 6. Juli vor zwölf Jahren ist für 14 Uhr britischer Zeit das Einzel-Finale der Männer an der Church Road im All England Lawn Tennis Club angesetzt. Aufeinander treffen die beiden topgesetzten Spieler, die seit Jahren das Maß aller Dinge im Tennis sind. Sie triumphierten bei 14 der letzten 16 Majors. Und jetzt begegnen sie sich zum dritten Mal in Folge im Endspiel des prestigeträchtigsten Turniers der Welt. Die letzten beiden Finals gewann Federer, der sich in diesem Jahr zum sechsten Mal in Serie zum Sieger auf dem Heiligen Rasen krönen könnte. Herausforderer Nadal kommt allerdings mit dem Roland-Garros-Titel im Gepäck – und könnte als erst dritter Spieler in der Geschichte das Paris/London-Double perfekt machen.

Rund 35 Minuten nach dem geplanten Beginn geht das Spiel endlich los – der Regen wird heute noch ein paar Mal eine Rolle spielen. „Rafa“ zeigt sich in den ersten beiden Sätzen kaltschnäuziger, wenn es um Breakbälle geht und erspielt sich eine relativ schnelle 6:4, 6:4-Führung. Im dritten Satz muss die Partie beim Stand von 5:4 für Federer für 80 Minuten unterbrochen werden. Es folgen die vielleicht dramatischsten zweieinhalb Sätze der Turniergeschichte. Als es endlich weitergeht, schlägt der „Maestro“ zurück und hält seine Titelhoffnungen mit einem 7:5 im Tiebreak des dritten Durchgangs am Leben.

Der legendäre Tiebreak des vierten Satzes

Auch der vierte Satz findet kein reguläres Ende – erneut müssen beide Spieler in den Tiebreak. Dieser hier wird als einer der Besten aller Zeiten in die Geschichte eingehen. Nadal geht schnell mit 5:2 in Führung und hat bei eigenem Aufschlag plötzlich alle Möglichkeiten, dem Match ein schnelles Ende zu bereiten. Doch nach einem Doppelfehler und einer Rückhand im Netz ist alles wieder in der Reihe. Bei 7:7 gelingt dem Mallorquiner ein unfassbarer Vorhand-Passierball – der erste Matchball ist endlich da. Unter größtem Druck besteht Federer aber und schlägt einen ebenso perfekten Rückhand-Passierball, um wieder auszugleichen. BBC-Kommentator Andrew Castle erklärt, man habe „in den letzten beiden Ballwechseln ohne Zweifel die besten Passierschläge des Turniers gesehen.“ Mit 10:8 geht der Tiebreak schließlich an Federer – ein entscheidender fünfter Satz muss her.

Um kurz vor 20 Uhr Ortszeit zwingt eine weitere Regenpause die Spieler für 30 Minuten in die Umkleidekabine. Als das Match fortgesetzt wird, hat die Dämmerung bereits eingesetzt. Bis zum 15. Aufschlagspiel des Satzes gelingt keinem der Akteure ein Break. Zwischendurch ist Federer nur zwei Punkte vom Titelgewinn entfernt, dann gelingt aber Nadal das entscheidende Break zum 8:7. Bei eigenem Aufschlag serviert er das Match nach 4:48 Stunden zum 9:7 aus und bejubelt um 21:15 Uhr bei fast vollständiger Dunkelheit seinen ersten Wimbledon-Triumph überhaupt.

Nadals Triumph – der Wendepunkt?

Für viele markiert dieses geschichtsträchtige Spiel den Wendepunkt in der Rivalität zwischen Federer und Nadal. Zwei Monate später übernahm der Spanier die Führung in der Weltrangliste, nachdem Federer 237 Wochen in Folge die Nummer eins gewesen war.

(Bild © imago images / Xinhua)