„Es war eine reine Horror-Show. Es ist peinlich für Novak, der Präsident der Spielervereinigung ist. Alles, was er gesagt hat, spricht gegen das, was er mit diesem Event gezeigt hat.“ So gesagt von Bruno Soares.
Doppelspezialist Soares mag ein nicht ganz so staatstragender Name auf der Tour sein, was seine sportlichen Einzelerfolge betrifft. Aber der Brasilianer ist einer, dessen Meinung gehört wird. Denn auch Soares ist Mitglied des ATP Players’ Council, das von Novak Djokovic angeführt wird.
Die Bemühungen vieler anderer werden mit Füßen getreten
Derzeit kämpfen die Tour- und Turnierverantwortlichen mit aller Macht darum, dass das Profitennis wieder unter halbwegs normalen Bedingungen zurückkehren kann. All diese Mammutaufgaben rund um stapelweise Sicherheits- und Hygienemaßnahmen werden nun mit den Füßen getreten.
Leider genau durch jene von Novak Djokovic initiierte Adria Tour. Volle Zuschauerränge in (bisher) zwei Ländern, eine Menge Sideevents wie Trainingseinheiten mit einer Großzahl an Kindern, gemeinsames Fußballspielen, Basketball-Einlagen, Partys oberkörperfrei. In normalen Zeiten alles völlig in Ordnung. Nur ist eben derzeit leider nicht alles normal.
Und deshalb ist es einfach nicht einem Spieler und Profi seines Weltklasse-Formats angemessen, derart unvorsichtig zu agieren. Natürlich behauptet der Weltranglistenerste, alle Bedingungen in Serbien und Kroatien erfüllt zu haben. Ja, eben weil dort Corona nur eine untergeordnete Rolle spielt und die Vorgaben bei weitem nicht so harsch sind wie in Deutschland.
Aus den Fragezeichen müssen Ausrufezeichen werden
Aber genau hier liegt doch das Problem: Warum mit aller Macht ein Schlupfloch ausloten- und nutzen, nur weil … Ja, weil was eigentlich? Und warum sind so ambitionierte Jungprofis wie Alexander Zverev und Dominic Thiem oder etablierte Stars wie Grigor Dimitrov diesem Lockruf gefolgt? Denn letztlich stand es natürlich in ihrer aller Eigenverantwortung, an diesem Event zu partizipieren. Dass nun Marin Cilic, Andrej Rublev und Alexander Zverev in Selbst-Isolation gehen wollen, macht sie nicht etwa – wie beim Russen Rublev PR-technisch versucht darzustellen – zu Weltverbesserern, sondern ist die einzig logische Konsequent.
Es bleibt dennoch auch hier eine der zahlreichen Fragen: Musste wirklich erst so eine Infektionswelle starten? All diese Fragezeichen müssen nun zu Ausrufezeichen werden. Das Größte davon kann und muss Novak Djokovic nun selber setzen. Bisher schweigt der Serbe beharrlich. Angeblich soll es am heutigen Dienstag ein Statement geben. Erst zwei Tage, nachdem der erste Corona-Fall rund um die Adria Tour überliefert wurde. Dieses Schweigen ist einer Nummer eins nicht angemessen.
(Bild (c) imago images / Nordphoto)




