Steffi Grafs letzter Paris-Titel – ein Match der Emotionen Leaderboard : 4475810 Top : 4475800

Steffi Graf blickt auf insgesamt 22 Grand-Slam-Titel zurück und belegt damit Platz drei der Spielerinnen mit den meisten Major-Erfolgen – hinter Margaret Court (24) und Serena Williams (23). Ihren letzten Triumph sicherte sich die deutsche Ausnahmesportlerin am 5. Juni 1999 bei den French Open. Nach dem Match redeten die meisten Tennisfans jedoch (leider) nicht über ihren sechsten Sieg in Paris, sondern über ihre Finalgegnerin Martina Hingis …

Dieser letzte Titel in der Karriere von Steffi Graf wird für immer eine besondere Bedeutung haben. Für Steffi, weil sie es drei Jahre nach ihren bis dato letzten Grand-Slam-Siegen noch einmal allen gezeigt und das Finale eindrucksvoll gedreht hatte. Für Martina, weil sie etwas für das Leben lernen konnte und ihr diese Erfahrung im Nachhinein mehr als gut getan hat. Während Hingis heute nahezu immer mit einem Lächeln auf den Lippen vor die Öffentlichkeit tritt, erlebte sie an diesem Juni-Tag 1999 ein Wechselbad der Gefühle – von einem verheißungsvollen Start über Diskussionen mit der Schiedsrichterin bis hin zu einem regelrechten Weinkrampf.

Als Martina Hingis die Seite wechselte, um den Abdruck zu überprüfen …

Was war passiert? Die damals 18-jährige Hingis führte im Finale von Roland Garros bereits mit 6:4, 2:0 und befand sich dementsprechend auf einem guten Weg in Richtung Titel. Ihrer Gegnerin trauten zu diesem Zeitpunkt nur noch die wenigsten die Wende zu. Zum einen hatte Graf in den Vorwochen wiederholt mit Verletzungen zu kämpfen, zum anderen schien sie gegen die junge Hingis an diesem Tag kein Mittel zu finden.

Doch ausgerechnet die scheinbar souveräne Schweizerin machte es dann wieder spannend, indem sie sich in Diskussionen mit Schiedsrichterin Anne Lassere verstrickte. Nachdem Letztere einen Hingis-Return im Aus gesehen hatte, wechselte diese kurzerhand die Seite, um sich vor den Augen einer staunenden Steffi Graf selbst zu überzeugen. Ein No Go im Tennissport!

21 Jahre danach: Dieser Graf-Triumph bleibt unvergesslich!

Es war der Anfang einer nicht enden wollenden Hingis-Show, die sich – ein bisschen wie später Serena Williams im US-Open-Finale gegen Naomi Osaka – um Kopf und Kragen diskutierte. Bei Matchball Graf im dritten Satz servierte sie von unten (in diesem Fall sogar mit Erfolg, weil ihre Kontrahentin völlig überrascht war). Nach der Niederlage folgte der Weinkrampf und erst dank der diplomatischen Anstrengungen ihrer Mutter nahm Hingis überhaupt an der Siegerehrung teil.

Dennoch: Aus sportlicher – und schwarz-rot-goldener – Sicht steht auch 21 Jahre danach das Endergebnis im Vordergrund. Der „Gräfin“ glückte beim 4:6, 7:5, 6:2 ein großartiges Comeback. Ihre Belohnung: Zum sechsten Mal durfte sie die Trophäe der French Open in die Höhe recken, bevor sie wenige Wochen später von der großen Bühne abtreten sollte. Danke, Steffi für diesen historischen Moment!

(Bild © imago images / Laci Perenyi)