Das deutsch-österreichische Duell ist entschieden! Alexander Zverev hat den Sprung in sein zweites Endspiel bei den ATP Finals in Folge verpasst und kann seinen Titel damit nicht mehr verteidigen. Im Halbfinale unterlag er nach 1:35 Stunde mit 5:7, 3:6 gegen Dominic Thiem, der zuvor mit seinen Siegen in der Gruppenphase gegen Federer und Djokovic bereits zeigen konnte, wie gut er derzeit in Form ist.
Auch wenn Thiem mit einer 5:2-Führung im Head-to-Head in dieses Halbfinale gegangen war, konnte man von einem engen Match auf Augenhöhe ausgehen. Insbesondere auf Hartplatz ist Zverev einiges zuzutrauen, wie er nicht zuletzt im Vorjahr an Ort und Stelle gezeigt hatte. Doch auch der Österreicher hat sich auf diesem Belag enorm gesteigert. Unter seinem neuen Coach Nicolas Massu spielt der Sandplatzspezialist auch auf Hardcourt viel aggressiver und weniger Topspin-lastig.
Doppelfehler kostet Zverev den ersten Satz
Davon konnte sich „Sascha“ von Beginn an ein Bild machen. Beide Akteure legten einen ähnlichen Spielstil an den Tag, der darauf ausgelegt war, nach einem guten ersten Aufschlag sofort die Vorhand einzusetzen. Der Verlauf des ersten Satzes lässt sich aus Zverev-Sicht mit dem Wort „bitter“ recht treffend beschreiben. Er war es, der sich bei 1:1 und 2:2 die ersten Breakchancen erarbeiten konnte, diese jedoch nicht zu nutzen wusste. Und er war es, dessen Aufschlag ausgerechnet bei 5:6 zum ersten Mal wackelte – inklusive eines Doppelfehlers, der Thiem den Satzgewinn bescherte.
Mit großen Vorschusslorbeeren hatten die Fans auf dieses deutsch-österreichische Gipfeltreffen in der Londoner O2 Arena hingefiebert. Nach dem ersten Durchgang musste man allerdings konstatieren: In Sachen Niveau gab es Luft nach oben. Als Beleg dienten die insgesamt über 30 Unforced Errors (19 bei Zverev, 12 bei Thiem).
2. Satz: Thiem nimmt Geschenke seines Kumpels an
Eigentlich konnte man Deutschlands Nummer eins keinen Vorwurf machen. Mit Ausnahme des ärgerlichen Aussetzers im zwölften Spiel servierte er ähnlich überzeugend wie zuletzt in der Gruppe gegen Nadal und Medvedev. Auch im zweiten Satz marschierte der Hamburger recht souverän durch seine Aufschlagspiele.
Doch wieder gab es dieses eine Service-Game, in dem Zverev einige Geschenke (unter anderem ein verschlagener Überkopfball) an seinen Kumpel verteilte. Bei 2:3 aus seiner Sicht ging der Druck nicht spurlos an „Sascha“ vorbei, der sich in dieser Phase zudem nicht gut bewegte. Die Folge: Das Break zum 2:4, das Zverev trotz seiner zwei Chancen zum direkten Re-Break im Anschluss nicht vergessen machen konnte.
Der einzige unter den vier Halbfinal-Teilnehmern mit einer beidhändigen Rückhand ausgestattete Spieler ist also raus. Der Traum von der Titelverteidigung ist geplatzt. Hingegen trifft Thiem im Finale am Sonntag auf Stefanos Tsitsipas, der am Nachmittag Roger Federer dominiert hatte. Beide Finalistin stehen vor einem Debüt bei der inoffiziellen Tennis-WM.
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